Die Maskerade hat ein Ende

Mein letzter Abend in meinem Apartment bricht heran und ich stecke in einem richtigen Gefühlschaos. Einen ganzen Monat habe ich nun ungeplant in dieser Stadt verbracht. Am Anfang war es einfach nur schön und spannend, doch durch die Menschen die ich hier über all die Tage hinweg richtig kennen lernen durfte, wurde es zu einem ganz anderen Aufenthalt als bloß einem Urlaub.

Ablenkung durch Schönheit

Morgen geht es für mich weiter nach Bologna, Ferrara und daraufhin gen Süden endlich der Sonne entgegen. Doch mich überkommt keine Vorfreude sondern vielmehr Zweifel. Wir mein Besuch nur ein weiterer Haken auf einer To Do Liste voller schöner Städte. Schön, inspirierend aber nicht herzergreifend? Sind es nicht vielmehr die Menschen mit denen wir genau diese Aufenthalte teilen, die es zu etwas Besonderem machen? Der Partner, die Reisebegleitung oder auch die Menschen vor Ort. Was wären die leeren Mauer ohne all diese Persönlichkeiten?
Ich habe in den letzten Tagen viel über mich gelernt, was mich glücklich mach und was mich belastet und wie schnell einem ein völlig fremder Mensch ans Herz wachsen kann. Ein Teil von mir, der Teil der auch damals alles verkauft hat um frei zu sein, möchte wieder weiterziehen, sich von emotionalen Banden lösen und neue Eindrücke sammeln. Der andere Teil in mir fragt sich ob mir hier nicht gerade die Chance auf ein Leben entgeht, das sich der Teil so sehr wünscht. Ein Leben in Zweisamkeit, in einem schönen Haus, umgeben von Wasser. Ist es möglich eine Partnerschaft zu führen, wenn beide Beteiligten nicht in ihrer Muttersprache kommunizieren können, oder besser gesagt, ist das überhaupt wichtig? Es gibt doch auch taubstumme Paare. Ist Liebe und Zuneigung nicht vielmehr ein Akt der Gesten und Kommunikation mit Worten nicht mehr als das viel zu überschätzte Weg des geringsten Widerstandes?
Gestern morgen als ich in mein Boot zurück stieg, mit seinem Geschenk in meiner Hand. Zum nächsten besten Fensterplatz eilte und mich die Scheibe aufriss um ihm ein letztes Mal winken zu können, kam ich mir vor wie in dem Film „Liebe braucht keine Ferien“. Cameron Díaz, eine erfolgreiche Filmproduzentin aus LA verliebt sich in einen Witwer vom englischen Lande gespielt von Jude Law, mit zwei bezaubernden Töchtern. Dieser Moment als sie sich beide verabschieden und Cameron zum Flughafen aufbricht, dann jedoch das Taxi stoppt um zurückzurennen und ihm zuversichtlich in die Arme zu fallen. Als ich aus dem Fenster schaute und sich meine Augen mit Tränen füllten, habe ich darüber nachgedacht die nächste Fähre zurück zu nehmen, oder Abends auf seiner Veranstaltung aufzutauchen oder was man halt so für romantische Wege findet um sich wieder in die Arme zu fallen. Ist das wirklich nur kitschige Träumerei? Die Realität zumindest brachte mich zurück nach Venedig wo ich bei einem tränenreichen Spaziergang Richtung San Marco versuchte klare Gedanken zu fassen und durch die Schönheit der Stadt Ablenkung zu finden. Wäre das meine Zukunft? Mit einem Zauberer auf Reisen und Iwan in einem abgelegenen Haus allein im Nirgendwo? Jeden einzelnen Tag treffen wir Entscheidungen die unsere Geschichte  schreiben. Jeden einzelnen Tag begegnet uns das Glück in seinen unterschiedlichsten Formen und Facetten. Und ist es wirklich unser Bauchgefühl das uns am Ende zu der für uns besten Version führt? Oder ist auch das nur eine Träumerei, an die wir glauben wollen, damit wir wenigstens einen Leitfaden haben der uns durch das tägliche Chaos unserer menschlichen Existenz manövriert? Ist das nicht ganz schön viel Verantwortung für eine Funktion unseres Ichs die wir nicht einmal zu greifen im Stande sind?

Ich für meinen Teil bin jedenfalls iwie traurig darüber nicht zu wissen, was der richtige Weg ist und ich möchte ungern noch jemanden verletzten. Doch was am Ende wohl nur wirklich zählt ist, dass ich mich nicht enttäusche.